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Die Geschichte der Großgemeinde Zschadrass |
Friedrich August Hermann Foppel ist es zu verdanken, dass Zschadraß in den letzten hundert Jahren eine für seinen Ursprung explosionsartige Entwicklung nahm. Foppel war damals anerkannter Psychiater und gleichzeitig Direktor der Landesversorgungsanstalt (Irrenanstalt) auf Schloß Colditz. Also ist Schloß Colditz sozusagen die Keimzelle der heutigen Klinik in Zschadraß.
Im Jahr 1868 konnte Foppel mit großzügiger Unterstützung der königlich-sächsischen Regierung zuerst zwei Bauerngüter in Zschadraß ankaufen. Es entstand die Meierei Zschadraß, wo im April 1868 ein Oberwärter mit seiner Familie und ein paar Kranken einzogen. Im Juni des gleichen Jahres waren es bereits 68 Kranke.
Da sich die Arbeitstherapie in Ackerbau und Viehzucht nicht nur positiv auf die Behandlung der Kranken auswirkte, sondern auch wirtschaftlich der Entlastung der Finanzen zugute kam, wurden bis 1871 weitere umliegende Güter aufgekauft.
Im Jahr 1877 wurde auf 177 "Ackern" mit 3 Hauptgütern und ausschließlich 300 männlichen Kranken und 18 Pflegern gearbeitet. Bis 1889 wurde die Meierei noch um ein größeres Gut und mehrere Baracken sowie kleine Auszugshäuser erweitert.
Der 1. Juni 1894 war ein historischer Tag für Zschadraß. Es wurde selbstständige "Koloniale Heil- und Pflegeanstalt" und somit von der Mutteranstalt Colditz getrennt. Erster Direktor wurde Dr. Rudolf Günther. In den folgenden Jahren wurde die Anstalt großzügig erweitert und modernisiert. Viele alte Bauerngüter und Baracken wurden abgerissen und durch neue Bauten ersetzt. Es entstanden zahlreiche neue Krankengebäude, aber auch die Kirche, der Wasserturm, das Maschinenhaus und Personalwohnungen.
Ein historisches Ereignis war der 17.03.1906, als König Friedrich August von Sachsen die Heilanstalt Zschadraß besuchte. Er war sehr an Methoden zur Heilung Geisteskranker interessiert. Sein Besuch nahm der Bevölkerung viele Vorurteile gegenüber Geisteskranken und Anstalten wie Zschadraß.
Ab 1906 bis 1916 leitete Dr. Hösel die Anstalt Zschadraß. Das Gesetz über die Anstaltsfürsorge an Geisteskranken von 1912 machte einen weiteren Ausbau der Anstalt notwendig. Es wurden die großen Männerhäuser A35 und A36 sowie die großen Frauenhäuser B19 und B20 für je 100 Patienten erbaut. Dabei wurden sie, im Gegensatz zu anderen Krankenanstaltsgebäuden, im Jugendstil errichtet. Damit konnte die Anstalt zu Kriegsbeginn 1914 1000 Kranke aufnehmen und verpflegen.
Durch die verheerenden Auswirkungen des 1.Weltkrieges verschlechterten sich die Betreuungsbedingungen sowie die Ernährungslage. In den Kriegsjahren bis 1918 verstarben unter diesen Umständen in Zschadraß rund 1000 Patienten.
Somit standen nach Kriegsende mehrere Krankengebäude leer. Deshalb richtete man in den Häusern A35 und A36 die Lungenheilstätten für tuberkulosekranke Männer, Frauen und Kinder ein.
Im Jahre 1913 entstand die erste Siedlung Zschadraß (sog. Beamtensiedlung am Hainberg). Dazu wurde eine Baugenossenschaft gegründet.
Bedingt durch Inflation und daraus resultierender Finanzknappheit musste die Landespflegeanstalt Colditz (Schloß) geschlossen und alle Patienten nach Zschadraß verlegt werden. Zschadraß diente nun wieder ausschließlich der Psychiatrie und hatte konstant ca. 1000 Patienten.
Von 1918-1929 war Dr. Hermann Brackmann Chef der Heilstätten Zschadraß. Am Ende seiner Amtszeit wurden in Zschadraß 94% aller Männer und 87% aller Frauen in der Arbeitstherapie beschäftigt. Hauptarbeitsfelder waren die Landwirtschaft, Nähstube, Wäscherei, Küche und alle anstaltseigenen Werkstätten wie Schneiderei, Schuhmacherei, Buchbinderei, Tischlerei und Schlosserei.
Ab dem Jahr 1929 wurde Dr. Max Alwin Liebers Direktor der Landesanstalt Zschadraß.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 begann zweifelsfrei das dunkelste Kapitel deutscher Psychiatriegeschichte, das auch in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Zschadraß tiefe Spuren hinterließ.
Die Mitgliedschaft des damaligen Chefarztes in der NSDAP trug unter anderem mit dazu bei, dass Zschadraß als zentrale Sterilisationsanstalt und als sogenannte Zwischenanstalt für mehrere Tausend zur Vergasung bestimmter Kranker diente.
Durch die verheerenden Folgen des 2. Weltkriegs und der nationalsozialistischen Gesetzgebung wurden die Bedingungen für die Patienten in Zschadraß so verschärft, dass bis Ende 1945 über 900 verstarben.
Von 1945-1946 war Dr. Rindfleisch Direktor der Heilstätten.
1946 wurde Dr. Kallabis Direktor. Ihm ist es in den Folgejahren zu verdanken, dass Zschadraß als Lungenheilstätte gefördert wurde und bald auch nationale Anerkennung fand. Er war zwar nur kurz als Chef tätig, aber als Landestuberkulosearzt hat er sich stets für Zschadraß eingesetzt.
Von Ende 1946-1950 war Dr. Wolf als Chefarzt tätig. Ab 1950 wurde Dr. Anstedt Chef der Zschadraßer Heilstätten. Unter seiner Leitung begann die Blüte der Lungenheilstätten in Zschadraß. Viele wissenschaftliche Arbeiten wurden inden Folgejahren in Zschadraß erstellt.
Im Jahr 1977 übernahm Frau Dr. Edelburg Schwarzbauer die Leitung der Heilstätten. Ab dem Jahr 1990 bis 1992 war Herr Dr. Eberhard Görner verantwortlicher Chefarzt, von 1994 bis 2002 Herr Dr. Horst Krömker.
1990, durch die Wiedervereinigung der zwei deutschen Staaten, wurden die Heilstätten Zschadraß Sächsisches Krankenhaus, und es entbrannte in den Folgejahren ein harter Existenzkampf um den Klinikstandort. Zschadraß hatte sich ab den 50er Jahren nicht nur nationalen, sondern auch internationalen Ruf in der Thoraxchirurgie erworben. Somit war man bestrebt, hier in Zschadraß eine Perspektive für die Zukunft zu schaffen.
Die Verlegung der Thoraxchirurgie und Pulmologie 1999 nach Chemnitz hinterließ tiefe Spuren in Zschadraß. Von vier selbstständigen Klinikabteilungen blieben nur noch die Neurologie und die Psychiatrie übrig. Der zukünftige Klinikstandort wird nur noch ein Drittel der bisherigen Klinikgebäude benötigen.
Mit der Übernahme durch die Diakoniewerk Zschadraß gGmbH im Jahr 1999 begann eine neue Epoche, man arbeitet zielstrebig an der Umsetzung neuer Konzepte für den Krankenhausausbau. Parallel dazu ist man gemeinsam mit der Gemeinde bestrebt, die Restgebäudesubstanz zu vermarkten.
Politisch gesehen war die Gemeinde Zschadraß bis zum Jahr 1990 unterrepräsentiert.Das Hauptinteresse galt immer den Heilstätten, dem Klinikum.
1994 wurde durch die Gesetzgebung die Möglichkeit geschaffen, dass sich mehrere Gemeinden zusammenschließen konnten.
Am 01.01.1995 vereinten sich die Gemeinden Hausdorf, Erlbach und Zschadraß zur Großgemeinde.
Man legte im gegenseitigen Einvernehmen der Gemeinderäte fest, dass der Gemeindename "Zschadraß" geführt wird. Dies ist vor allem dem Bekanntheitsgrad von Zschadraß geschuldet, der in den letzten 100 Jahren durch den Krankenhausstandort erreicht wurde. Als Ausgleich wurde der Verwaltungssitz nach Hausdorf gelegt.
Am 01.01.1996 schloss sich die Gemeinde Tanndorf an. Heute sind 18 Ortschaften Mitglied der Großgemeinde.
Ab dem Jahr 2002 erarbeitet der Gemeinderat mit der Bürgerschaft von Zschadraß und gemeinsam mit dem Diakoniewerk eine Dorfentwicklungsplanung für die OL Zschadraß. Dazu ist jeder Interessierte herzlich eingeladen. |
| letzte Aktualisierung: 25.08.2005 15:20 Uhr |
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